Quelle: Schwäbisches Tagblatt (22.02.2009)
Klein bringt den TSV Talheim groß raus

Fußball: Auch Erfolgstrainer Ralf Rangnick hat schon die Dienste des Hobby-Statistikers genutzt

Fakten, Fakten, Fakten – und immer an den Klub denken: Hobby-Statistiker Rainer Klein vom TSV Talheim ist so was wie der Idealfall eines Öffentlichkeitsarbeiters. Zu Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick hat er heute noch Kontakt.
Fußball-Daten sind seine Passion: Rainer Klein vom TSV Talheim mit Tochter Melanie, die für Öschingen kickt. Bild: Schmid
Talheim. Sie interessieren sich für A-Liga-Fußball? Vielleicht sogar ganz besonders für den TSV Talheim – kennen aber den Internetauftritt des TSV noch nicht? Dann sollten Sie mal www.tsvtalheim.de aufrufen. Aber Vorsicht, das könnte süchtig machen. Was da an Zahlen, Daten, Berichten und Bildern präsentiert wird, sucht seinesgleichen.
Sogar mancher Profiklub wäre wohl froh über so eine umfangreiche Informationssammlung: Aktuelle Heim- und Auswärtstabellen, Torjägerlisten und Spieltags-Statistiken, bebilderte Spielberichte – und das ist noch der verschwindend geringe Teil dessen, was dort zu finden ist.
Der Mann, der alles zusammenstellt, heißt Rainer Klein (44), ist Mechaniker und wohnt mit seiner Familie seit 2003 in Talheim. Damals wurde der TSV schnell auf ihn aufmerksam, denn ihm eilte ein Ruf als gewissenhafter Statistiker voraus. Die Talheimer baten Klein, die Pressearbeit im Verein zu übernehmen und den Internetauftritt ihres TSV zu gestalten. Er ließ sich nicht lange bitten.
„Ich bekomme meinen Mann kaum zu Gesicht, denn sobald er von der Arbeit nach Hause kommt setzt er sich an den Computer – und das mindestens fünf Stunden täglich“, verrät Ehefrau Monika Klein lachend. Doch ihr Mann sitzt nicht nur vor dem PC. Sobald ein Talheimer Team irgendwo auftritt, ist Klein auf dem Sportplatz – nicht nur bei den aktiven Mannschaften, sondern auch bei allen Spielen der Frauen und der Jugend. Nach dem Spiel wird alles akribisch am Computer erfasst.
„Schon als Kind habe ich mich mit Statistiken beschäftigt. Beim Skispringen etwa habe ich damals vor dem Fernseher Weitenlisten angelegt“, erzählt Klein, dessen Arbeitszimmer im Keller eine Fundgrube für jeden Fußballhistoriker ist.
Dabei wird schnell klar: Kleins wahre Liebe ist der SSV Reutlingen. Bis vor wenigen Jahren fuhr er mit dem SSV zu jedem Auswärtsspiel und hatte selbstverständlich auch eine Dauerkarte für die Kreuzeiche. Wen wundert’s – auch für den SSV hat er alles statistisch erfasst. So wurden die Verantwortlichen auf ihn aufmerksam.
Ein Mann hat es ihm dabei besonders angetan: Ralf Rangnick, SSV-Trainer von 1995 bis Ende 1996 und nun Coach von Bundesliga-Spitzenreiter TSG Hoffenheim. „Ein feiner Mensch, der mich immer wieder gebeten hat, Reutlinger Spiele auf Video aufzunehmen oder ihm sonst mit Zahlen und Fakten weiterzuhelfen. Noch heute habe ich seine Handy-Nummer“, schwärmt Klein. Im Gegensatz dazu fällt sein Urteil über Armin Veh, Rangnicks Nachfolger beim SSV Reutlingen, deutlich gedämpfter aus: „Ein sehr arroganter Mann“, sagt Klein über den Stuttgarter Meistermacher von 2007, und auch die jetzige Reutlinger Vereinsführung behagt dem Talheimer überhaupt nicht.
Der TSV Talheim jedenfalls weiß, was er an seinem Pressewart hat: „Seine Arbeit für den TSV kann man gar nicht hoch genug einschätzen“, sagt Dietmar Fuhrmann, der Zweite Vorstand des TSV.
Um Kleins Arbeit zu vereinfachen und ihm eine noch aktuellere Berichterstattung zu ermöglichen, hat ihm der Verein im Sportheim nun eine eigene Geschäftsstelle mit PC, Internetanschluss und Drucker eingerichtet. Künftig landen die Informationen noch schneller auf der Homepage.
Wer sich nun fragt, wo und wie lange Klein selbst gegen den Ball getreten hat, wird über die Antwort überrascht sein: „Ich habe nie aktiv Fußball gespielt – und auch in meinem Elternhaus hat sich niemand für Fußball interessiert“, sagt Klein.

Text: Martin Schmid